Aktive Fortbildung

Was machen Lehrer, wenn sie auf einer sogenannten Fortbildung sind? Der Versuch einer Auflösung.Aus Schülersicht ist der Fall klar. Erwähnt eine Lehrkraft, der Unterricht falle aus, weil sie sich auf einer Fortbildung befinde, so geht man davon aus, es handle sich um bezahlte Freizeit. Dies mag freilich daran liegen, dass ein Schüler – das liegt in der gegebenen Definition dieser Rolle – prinzipiell davon ausgeht, dass Lehrerinnen und Lehrer nur wenig arbeiten, ab mittags Freizeit haben und zu den privilegiertesten Subjekten unter der Sonne gehören.

Zu dieser arg vorgefertigten-  und falschen – Meinung kann man stehen, wie man will, eines sei aber gesagt: Eine Fortbildung ist wahrlich kein Spaß. Befindet man sich beispielsweise an der Akademie in Dillingen, so ist der Alltag nahezu brutal.

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Herr Glück notiert die Ausführungen mit.

Bereits das frühe Aufstehen zwingt einen fast in die Knie, während die Sonne noch ihren Morgenschlaf hält, muss man sich bereits auf den Weg zum Frühstück machen, das sich nebenbei als wenig genießbar herausstellt. Dann beginnt bereits der Unterricht, ja richtig gelesen: Der Lehrer kehrt dafür in die Schülerrolle zurück und muss stundenlanges Zuhören über sich ergehen lassen. Im Vergleich zur Schule ist dieser aber weder didaktisch aufgelockert noch nach 45 Minuten wechselnd, sondern zieht sich mindestens drei Stunden hin, Pause gibt es keine. Einzig mittags hat man Zeit für eine schnelle Semmel sowie eine Tasse Kaffee, den man freilich allenfalls aufgrund der Farbe als solchen erkennt, der Genuss hält sich entsprechend in Grenzen.

Nach einer nachmittäglichen Sitzung, bei der der Begriff „Zeitdehnung“ eine sehr realistische Bedeutung bekommen kann, eilt man um 18 Uhr flugs zum Abendessen, um sich zusammen mit einer Horde psychisch und physisch gebrochener Gestalten altes Brot einzuverleiben – dies unabhängig vom Hungergefühl, sondern einfach deshalb, weil es später nichts mehr gibt. Der restliche Abend dient dazu, in seiner zugeteilten Kabuse Abitte zu leisten…indem man die naheliegende Wand anstarrt.

Was ist also der eigentliche Sinn einer Fortbildung? Nun, wie man aus dem Extrakt obiger Ausführungen erahnen kann, weniger die Phase der Bildung selbst als vielmehr deren abschreckende Wirkung: Kehrt eine Lehrkraft danach wieder in die Schule zurück, so ist er voller Tatendrang. Dieser rührt aber eben nicht von vermeintlicher Erholung her, sondern ist einzig der Erleichterung geschuldet, dem Grauen entkommen zu sein.

 

 

 

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