Neu trifft Alt – Fortsetzung des Interviews aus der aktuellen Ausgabe

 

„Seit 2016 Chefredaktion der Schülerzeitung „Bunker Blatt´l““. – Mit diesen Worten in meinem Lebenslauf, habe ich mich letztes Schuljahr für ein Schülerpraktikum in einer Anwaltskanzlei beworben.
Was ich natürlich nicht ahnen konnte: Mein Praktikumsbetreuer, Dr. Maximilian Heim hat bis 2006 unsere Schule besucht und in den Jahren 2001/2002 war er Chefredakteur des Bunker Blatt´ls. Somit war sofort klar, dass es ein interview geben muss, ganz nach dem Motto „Neu trifft Alt“…

(Das ganze Interview findet ihr in der aktuellen Weihnachtsausgabe…)

 

Hat/ Inwiefern hat Dir die Erfahrung als Chefredakteur im Studium/Beruf weitergeholfen?

Ich glaube zum einen schon, dass mich ein Stück weit das geprägt hat, was ich vorhin ausgeführt habe, also das Engagement in einer Gruppe, was zur Folge hat, dass man lernen muss, auf die Meinung der anderen einzugehen und ggf. nach einem Kompromiss zu suchen. Das liegt jetzt aber aus meiner Sicht weniger daran, dass ich der „Chefredakteur“ war, sondern schlichtweg ein Teil einer Gruppe, die sich eine gemeinsame Aufgabe gesucht hat. Im Grunde ist es aus meiner Sicht also die Interaktion mit den Menschen, die einen voranbringt, seien es die anderen Mitglieder der Redaktion oder aber die Lehrer oder das Direktorat, wenn es etwas zu besprechen oder zu klären gibt. Zum anderen kann man eine Schülerzeitung nur dann herausbringen, wenn die Gruppe strukturiert arbeitet, Aufgaben verteilt, sich regelmäßig trifft und die Deadline für Layout und Druck im Blick hat. Auch das kann man bei der Mitarbeit dort sehr gut lernen.

Ich denke, eine gewisse Struktur hat mir im Studium sicher weitergeholfen, vor allem deshalb, weil das Jura-Studium recht lange dauert und man nicht alles auf einmal lernen kann. Man muss also gut überlegen, wann was auf dem Lernplan ansteht und seine Vorbereitung daran ausrichten.

Im Berufsleben ist Struktur natürlich auch wichtig, das ist sicherlich in jedem Beruf so. In meinem konkreten Beruf als Anwalt habe ich tagtäglich mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun, wenn es darum geht, die Interessen meiner Mandanten zu vertreten. Da ist es natürlich auch förderlich, wenn man eine Idee davon hat, wie man seine Meinung vertritt und trotzdem (wenn erforderlich) offen für Kompromisse bleibt. Ich denke, auch dabei hat mir die Tätigkeit bei der Schülerzeitung schon in der Schulzeit geholfen.

 

Wenn Du Dich mit einem Wort beschreiben würdest, welches wäre es?

So leid es mir tut, das fällt mir extrem schwer. Da muss ich leider passen.

 

Wann stand für Dich Dein Berufswunsch fest?

Das muss irgendwann in der Oberstufe gewesen sein, als das Abitur schon in Sichtweite war. Ich habe mich dann verstärkt mit verschiedenen Studiengängen beschäftigt und mich letztlich für Jura entschieden. Interessant fand ich zunächst tatsächlich auch Journalismus und BWL. Sehr früh stand für mich hingegen schon fest, dass ich keinesfalls mal einen technischen Beruf ergreifen möchte. Ich erinnere mich noch daran, dass ich meinen Vater, der selbst Ingenieur ist, als Kind mal gefragt habe, ob er denn enttäuscht sei, wenn ich mal „nichts Technisches“ machen würde. Er war es natürlich nicht und hat mich ermutigt, unbedingt mal etwas zu machen, das mir wirklich Spaß macht.

 

Was waren die Gründe für Deine Studiumswahl?

Im Ergebnis haben mich zum einen die Inhalte des Jura-Studiums am meisten angesprochen. Ich fand es sehr spannend, wie breit das Studium gefächert ist und wie offen die spätere Berufswahl bis zum Ende des Studiums noch bleibt. Es werden ja keinesfalls alle Juristen Anwälte, es gibt zahllose Möglichkeiten mit diesem Studium. Zum anderen war ich zuversichtlich, dass ich meine persönlichen Stärken in diesem Studium bzw. im späteren Beruf gut nutzen kann. Dazu hat, glaube ich jedenfalls, schon immer gezählt, dass ich sehr gerne diskutiert und Interessen vertreten habe (zB auch als Klassen- und Schülersprecher).

 

Wie bist Du daraus zu Deinem heutigen Beruf gekommen?

Ich habe bereits ab dem 3. Semester an der Uni an einem Lehrstuhl für Strafrecht gearbeitet. Der Professor war zusätzlich zu seiner Lehrtätigkeit auch als Strafverteidiger tätig. In seinen Vorlesungen und bei Gesprächen mit ihm habe ich dann nach und nach Einblicke gewonnen, die mich sehr begeistert haben. Ab diesem Zeitpunkt war klar für mich, dass ich auch mal Strafverteidiger werden möchte.

 

Hat Dein Beruf Einflüsse auf das Privatleben?

Zunächst mal habe ich dank des Berufs weniger Freizeit 😉 Aber das meint Ihr wahrscheinlich nicht. Ich glaube, dass es in jedem Beruf wichtig ist, dass man auch mal abschalten kann und abends nicht immer an den Job denkt. Das gelingt mir manchmal besser, manchmal weniger gut. In Zeiten, in denen tagsüber extrem viel los ist, kommt es schon vor, dass man auch abends und am Wochenende über die Aufgaben des nächsten Tages oder der nächsten Woche nachdenkt. Aber ich denke, das ist normal und in den allermeisten Berufen so. Das Jura-Studium hat für jeden Studenten noch die Besonderheit, dass plötzlich alle Freunde und Familienmitglieder rechtliche Fragen haben, die man für sie lösen soll. Ich glaube, davon kann tatsächlich jeder Jurist berichten.

 

Was gefällt Dir am meisten/am wenigsten an Deinem Beruf?

Am besten gefällt mir eindeutig die Abwechslung meines Berufs. Jeder Tag ist anders und ich bin mit ganz unterschiedlichen Menschen aus den verschiedensten Bereichen konfrontiert. Da die Kanzlei, in der ich arbeite, auf Wirtschafts- und Steuerstrafrecht spezialisiert ist, habe ich nicht nur mit dem „allgemeinen Strafrecht“ zu tun, sondern auch viele Einblicke in verschiedene Wirtschaftszweige und lerne sehr interessante Menschen kennen.

Ich bin sehr glücklich mit meiner Berufswahl und kann momentan nicht sagen, was mir daran nicht gefällt. Ich hoffe, das bleibt auch so, denn dafür kann man schon sehr dankbar sein.

 

 Was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften in einem juristischen Beruf?

Als Student sollte man zunächst mal Spaß daran haben, Dinge abzuwägen, verschiedene Seiten zu betrachten und Standpunkte erläutern zu wollen. Das liegt vor allem daran, dass man im Studium nicht für einen konkreten Beruf ausgebildet wird, sondern das Handwerkszeug erlernen muss. Jura ist meines Erachtens schon auch ein „Sprachstudium“, damit meine ich, dass es sicherlich hilfreich ist, wenn man Spaß daran hat, teils komplexe Sachverhalte sprachlich genau darzustellen.

Im Beruf (und da kann ich vor allem für den des Anwalts sprechen) sollte man Freude daran haben, einen ganz konkreten Standpunkt vehement zu vertreten und für die Interessen des Mandanten zu kämpfen. Zwar ist man als Anwalt natürlich auch ein so genanntes „Organ der Rechtspflege“, aber die Interessen des konkreten Menschen, der sich einem als Mandant anvertraut hat, stehen bei alledem immer im absoluten Vordergrund.

 

Hast Du Dir den Anwaltsberuf genauso vorgestellt, wie Du ihn bis jetzt erlebt hast?

Ja, ich habe keinesfalls eine „böse Überraschung“ erlebt, sondern meine Erwartungen haben sich absolut erfüllt, wurden wahrscheinlich sogar übertroffen. Ich kann jedem nur raten, bereits im Studium verschiedene Einblicke in die juristischen Berufe zu nehmen, um herauszufinden, welcher Job zu einem passt. Denn wie gesagt, sind die juristischen Berufe sehr verschieden und die Möglichkeiten gerade zu Beginn vielleicht etwas unübersichtlich.

 

Was vermisst Du am meisten aus der Bunker Blatt´l-Zeit?

Ich bin nicht wehmütig, wenn ich an die Schulzeit denke. Ich finde, jede Lebensphase hat seinen besonderen Reiz. Und das gilt für die neue Phase des Studiums genauso wie für den Eintritt in das Berufsleben. Aber man kann nicht leugnen, dass das Berufsleben manchmal nicht so unbeschwert ist wie die Zeit in der Schule. Das ist zwar ein alter Hut, aber es stimmt schon, dass man das erst realisiert, wenn die Schulzeit vorbei ist und man darauf zurückblickt. Wenn ich also etwas vermisse, dann vielleicht diese Leichtigkeit, die man aber womöglich während der Schulzeit – und das ist ja irgendwie schon gemein – gar nicht immer als solche wahrnimmt.

Vielen Dank für das Interview!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leonie Meckes

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