O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter!

Eine Reportage von Donya Asefi und Sabine Honka.

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Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? Für viele ist diese Vorstellung undenkbar. Denn der geschmückte Baum ist in Deutschland sowie in vielen anderen Ländern und Regionen der Welt ein Must-have zu Weihnachten. Hübsch geschmückt und funkelnd steht er im Wohnzimmer, sorgt für eine gemütliche Atmosphäre und birgt unter seinen Zweigen eine Vielzahl von Geschenken. Doch was passiert mit dem Weihnachtsbaum nach der Bescherung? Dafür haben wir uns unter anderem bei einem Christbaumverkäufer und einem örtlichen Gartencenter erkundigt sowie uns in unserem Bekanntenkreis umgehört – und einiges rund um den Tannenbaum herausgefunden.

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© Donya Asefi. Alle Rechte vorbehalten.

Die Tradition, überhaupt einen geschmückten Baum aufzustellen, entstand erst vor einigen Jahrhunderten. Ihr genauer Ursprung ist ungewiss, vereinzelte Datierungen zu den ersten Weihnachtsbäumen gibt es seit dem 14. Jahrhundert aus dem Elsass-Gebiet. Wahrscheinlich entwickelte sie sich aus dem altertümlichen Brauch, zur dunkelsten Jahreszeit um die Wintersonnwende (21. Dezember) immergrüne Zweige als Symbol für die unsterbliche Natur und das Hoffen auf den Frühling aufzuhängen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde der Weihnachtsbaum immer populärer: Die Tradition verbreitete sich über die ganze Welt.

Das Leben eines Weihnachtsbaumes ist eigentlich reAshampoo_Snap_2016.01.05_22h13m32s_015_Ashampoo_Snap_2016.01.05_22h06m24s_013_cht kurz. Kaum abgeholzt, werden sie entweder exportiert, per Online-Versand verschickt oder bei größeren und kleineren Händlern verkauft, für die FestlichkAshampoo_Snap_2016.01.05_22h13m53s_016_eiten mehr oder weniger aufwendig geschmückt und Anfang des neuen Jahres entsorgt. 10 Jahre Plantagenzucht für einige Ashampoo_Snap_2016.01.05_22h03m07s_011_Tage oder Wochen – und nicht immer ganz billig. Gerade in Großstädte wie München kann das Ashampoo_Snap_2016.01.05_22h05m16s_012_Weihnachtsvergnügen trotz mangelndem Schnee ganz schnell teuer werden. Knapp 30 Millionen Bäume für 700 Millionen Euro wurden 2014 in Deutschland verkauft. Etwas mehr als 23 Euro im Durchschnitt also.     Doch trotzdem kommt es auf den Anbieter und das Kaufdatum an. Fixkosten von 20-25 Euro mit freier Baumauswahl und reduziertem Kaufpreis an Heilig Abend findet man bei Pflanzen Ries in Neuried, bei einem Verkaufsstand nahe der Schule kostet der Baum pro Meter um die 34 Euro. Beide Anbieter haben nur besteAshampoo_Snap_2016.01.05_22h01m38s_009_ Qualität, Ashampoo_Snap_2016.01.05_21h59m21s_008_versteht sich. Bloß einmal aus Bayern und einmal aus Ashampoo_Snap_2016.01.05_21h56m32s_006_Dänemark. Doch die Preise schrecken die Kundschaft nicht ab; es wird fleißig Ashampoo_Snap_2016.01.05_22h02m27s_010_weitergekauft. Manche früher, um die schönsten Exemplare zu ergattern, manche später, um Rabatte zu nutzen. Selbst am 23. und 24. Dezember haben die Händler noch ausreichend Kundschaft. Der Verkauf der Tannenbäume startet traditionell am 1. Advent. Die meisten der von uns befragten Bekannten behielten ihr Konsumverhalten bei: 83% besitzen auch dieses Jahr einen Christbaum mit derselben Größe wie in den Vorjahren, meistens von der Raumhöhe abhängig. Auch bleibt die Mehrheit lieber bei echten Exemplaren, anstatt in einen wiederverwendbaren Gummi, Plastik- oder bemalten Spanplattenbaum zu investieren.

Doch nicht nur das Grün für das Wohnzimmer hat seinen Preis, es will ja zusätzlich noch schön dekoriert werden. Mit einer Ausnahme unter den Befragten befinden sich Lichterketten als Beleuchtung am Weihnachtsbaum. Dazu kommen auch Christbaumanhänger wie Kugeln, Strohsterne, kleine Figuren, Lametta, Glöckchen, etc. Je nach Haushalt wird das ganze farblich abgestimmt oder ein buntes Durcheinander zugelassen. Im Vergleich zu den Anfängen der Tradition finden immer weniger essbare Leckereien oder christliche Darstellungen Platz an den Zweigen. Weihnachten ist nicht mehr so religiös aufgeladen wie früher.

Je nach Land und Kultur verändern sich auch die Weihnachtsbräuche bezüglich der Bäume: In Dänemark besteht der Schmuck zum Beispiel aus dänische Fähnchen und Papierherzen, während in Australien am Strand (Weihnachten liegt dort im Sommer) auch aufblasbare Exemplare zu finden sind. Alternativ zählen auch heimische „Weihnachtsbüsche“ als Schmuck. In Südafrika gibt es sogar Drahtbäume, die den sommerlichen Temperaturen problemlos trotzen.

Doch für die echten, einst lebenden Weihnachtsbäume besteht nach den schönen Feierlichkeiten im Kreise der Familie immer noch das Problem der Entsorgung: Wohin mit dem Baum, wenn er die Zweige hängen lässt und nadelt? Der von uns befragte Einzelhändler gibt nicht verkaufte Exemplare bei einer Gärtnerei ab. Wie das Gartencenter Pflanzen Ries „kümmert“ man sich dort vermutlich um sie, indem der Restbestand zerkleinert und anschließend unter anderem als Kompost genutzt wird.

Das bietet sich auch für den Privathaushalt an. Ein eigener Kamin bietet für ein Viertel unserer Befragten die Möglichkeit, den Baum zu verheizen. Wem die Zerkleinerung zu viel Arbeit bedeutet, kann den alten Weihnachtsbaum auch zu Wertstoffhöfen oder an eigens eingerichtete Sammelstellen abliefern, er wird energetisch verwertet, sprich zur Betreibung von Heizkraftwerken benutzt. Auf der Internetseite des Abfallwirtschaftsamts der Stadt findet man detaillierte Informationen zu den jeweiligen Standorten und Abgabefristen/-zeiten.

In manchen Gemeinden findet am 6. Januar, der neben Hl. Drei Könige auch als inoffizieller Todestag des Weihnachtsbaums bekannt ist, eine „feierliche Christbaumverbrennung“ mit gemeinschaftlichem Umtrunk statt. Vorsicht ist allerdings bei der These geboten, man könne seinen Weihnachtsbaum einfach beim nächsten Zoo als Futtermittel-Spende abgeben. Dieses Angebot gilt nur für ungeschmückte, unbehandelte Bäume. Der Tierpark Hellabrunn beispielsweise hebt auf seiner Website die Lebensbedrohung der Tiere durch „Rückstände von Lametta oder Ähnlichem“ hervor.

Zusammenfassend bieten sich dem Einzelnen also vielfältige Möglichkeiten, den gebrauchten Weihnachtsbaum nach den Feierlichkeiten einfach zu entsorgen – und überraschender Weise nutzen die Teilnehmer unserer Umfrage all diese legalen Wege zu etwa gleichem Anteil. Ob man sich nicht trotzdem eine künstliche Alternative oder eine Tanne in Topfgröße für den Balkon zulegen möchte, muss jeder für sich entscheiden.

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